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Die Zwiebelturmkirche


DSC05741 von Chrissi Im Jahr 1799 erhielt die Timmerlaher Kirche einen neuen Turm, dessen Spitze mit einer Cipelle, einer Krönung in Zwiebelform, geschmückt wurde. Glücklicherweise gibt es keine eindeutigen Begründungen für diesen in der norddeutschen Landschaft seltenen Turmabschluss; denn so ist den Legenden ein weiter Raum gegeben und Legenden lesen sich oftmals spannender als dokumentarische Erklärungen, die sich einfach aus dem Modetrend der Zeit ergeben. So hören wir von einem russischen Offizier oder auch Arzt, der mit seiner Kompanie durch Timmerlah kommt, sich in ein hübsches Mädchen verliebt (auch heute noch möglich) und beim Adieu der Timmerlaher Gemeinde und dem Mädchen als besondere Erinnerung diesen Turm hinterlässt. Von anderen Hinterlassenschaften erzählt diese Legende nichts, denn es steht fest, der Turm wurde von der Gemeinde bezahlt. Die Arztvariante betont in ihrer Legende sachgemäß zusätzlich noch die Heilkraft der Zwiebel, wobei der Leser gleichsam die Tränen des Abschieds erahnen darf. Eine andere Geschichte (vermutlich die einzig wahre) erzählt das "Märchen von der Riesenzwiebel" von Erdmute Trustorff.
Ganz anders die nahezu innerbraunschweigische Legende, auf die Braunschweigs Stadtführerinnen gerne verweisen, wenn sie am Schloß Richmond an der Wolfenbüttler Straße die Augen ihrer Gruppe gen Westen weisen: denn dann reicht der Blick (bei guter Sicht) genau bis zur Timmerlaher Zwiebelturmkirche. Erzählt wird, dass der Herzog seiner englischen Gattin, die eben in Richmond bei London groß geworden war, nicht nur dieses Schlösschen erbaute, sondern auf Wunsch der Prinzessin ihr einen Zwiebelturm zur Schau stellte, den er für die Timmerlaher Kirche veranlasst hatte. Und schließlich erklärt die vierte Variante, dass der Herzog selbst in Timmerlah bzw. am Timmerlaher Busch ein Lustschlösschen errichten wollte, vielleicht statt Richmond am jetzigen Ort? Wenn dem so sein sollte, dann wäre der Schloßbau dort entstanden, wo heute die Eichenallee vom Timmerlaher Busch in den Ort führt und man auf gerader Achse direkt zur Kirche gelangt. Dann hätte die Prinzessin ihren Zwiebelturm direkt vor Augen gehabt.
Was auch immer im Jahre 1799 dazu veranlasste, die Kirche mit der Zwiebel zu krönen - übrigens Zwiebelturmkenner betonen, dass es sich hier um eine russische Zwiebel handele - hundert Jahre später stürzte die Zwiebel vom Dach. Bereits 1871 wurde eine neue, die heutige Kirche, eingeweiht, da die vorige nicht nur nahezu einsturzgefährdet kaum noch nutzbar war, sondern die Timmerlaher der Meinung waren, ihre Kirche sei für die Anforderungen der neuen Zeit zu klein. DSC00032A Als nun die Zwiebel statt oben thronend unten lag, wurde der Turm um ein Stockwerk erhöht und so konnte der Turm zwei Weltkriege und das Jahr 1999 unversehrt überstehen. Das Kirchengebäude hingegen wurde im Zweiten Weltkrieg am Dach und im Inneren zerstört, so dass, allerdings erst 1959, die wiedererstellte Kirche feierlich neu eingeweiht werden konnte. Seitdem sammelt sich die Gemeinde in einem schlichten Kirchenraum, in dem nur das Taufbecken aus der alten längst vergessenen romanischen Dorfkirche stammt; allerdings lohnen die farbenprächtigen Fensterbilder im Chorraum einen Besuch. Die Künstlerin Ingeborg Fabiunke schuf den Bilderzyklus „Gottes Bund, Gabe und Aufgabe“ in den fünfziger Jahren, nachdem der damalige Pastor Georg Althaus ihr die entsprechenden Bibelstellen als Vorgabe mit dem Hinweis gab, keine "süßlichen" Figuren zu schaffen.
Die Orgel wurde ebenfalls 1959 eingeweiht und später um weitere Pfeifen erweitert. IMG_0095Anfang 2014 fand die Einweihung eines neuen sparsameren und effektiveren Heizsystems (einer Sockelheizung) statt.
Als nächster Schritt soll
im Rahmen einer Innenrenovierung das Mobiliar mit Kirchenbänken aus den fünfziger Jahren durch Stühle ersetzt werden, so dass der Raum flexibler gestaltet werden kann.
Wenn Sie mehr über die Geschichte der Kirche erfahren wollen oder sich einen eigenen Eindruck von den Fensterbildern machen möchten, sprechen Sie bitte über das Pfarramt einen Termin ab; gern stehen wir Ihnen für eine Führung (mit Besichtigung des Zwiebelturms) zur Verfügung.
Natürlich können Sie unsere Kirche „im Betrieb“ an jedem Sonntag in der Regel um 10.30 Uhr im Gottesdienst kennenlernen.

... unsere Zwiebelturmkirche damals 1899...

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... und heute.